Letzter Aufruf zum Abflug?

Mülheim, 02.07.2010, Andreas Heinrich

Am nächsten Donnerstag werden CDU, Grüne, MBI und wohl auch die Linke das tun, was sie schon immer vorhatten, nur keine Ratsmehrheit dafür besaßen: Rote Karte für den Flughafen. Die Stadt soll den Ausstieg aufzeigen – und vorrechnen.

Zum Artikel der Zeitungsgruppe WAZ



In der Ratssitzung vom 08. Juli 2010 hat der Gesellschafter Stadt Mülheim an der Ruhr einen Schließungsbeschluss zum Flughafen gefasst, der 45.000 von 50.000 Starts- und Landungen im Jahr betreffen wird. Zukünftig soll nur noch der Flugverkehr des Aeroclubs Mülheim an der Ruhr zulässig bleiben.

Damit gingen 160 Arbeitsplätze am Flughafen verloren. Der Betriebsrat der Flughafen Essen/Mülheim GmbH und die Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie (AGFÖ) haben in einer Demonstration deutlich gemacht, dass das Schließungsvorhaben von der Politik nicht richtig durchdacht worden ist. Viele Fragen sind offen. Vor allen Dingen sind die Politiker aber bisher Antworten schuldig geblieben, indem sie eine wirklich offene Diskussion um die Vor- und Nachteile des Flughafens und seine Auswirkungen auf die betroffenen Bürger als auch Arbeitsplätze vermieden haben.

Deshalb wurde vor der Ratssitzung Abordnungen von Mitarbeitern der großen auf dem Flughafen angesiedelten Unternehmen demonstrieren. Auf Schildern wollten Sie den Politikern Ihre Fragen stellen und Statements abgeben.

weitere Bilder

Auszüge dieser Fragen und Statements sind folgende:

-      160 Arbeitsplätze am Flughafen – und nun?

-      160 mal Arbeitsplatzvernichtung! Was soll mit uns werden?

-      21 Unternehmen sind am Flughafen – und nun?

-      528 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt am Flughafen!

-      Ihr macht unsere Familien kaputt!

-      Wir sind kein „Spaßflughafen“ – hier wird gearbeitet!

-      Wir leisten qualifizierte Arbeit!

Diskussionsbedarf
11.08.2009 / Lokales

Markus Grenz

Haarzopf. Wahlkampf ist schweißtreibend. Das stellte Oberbürgermeister-Kandidat Franz-Josef Britz (CDU) bei seinem kilometerlangen Rundgang bei fast schon tropischen Temperaturen in Haarzopf fest. Schließlich erwarteten ihn an jeder der „Baustellen" im Stadtteil zahlreiche Bürger und Mitglieder der „Bürger Bewegung Haarzopf" (BBH) zur Diskussion.

Die muss jedoch ein paar Minuten am Startpunkt, dem Parkplatz Lilienthalstraße, wegen Fluglärms warten. Eine Steilvorlage für den Kandidaten. „Da haben wir genau das Problem", unterstreicht Britz und verspricht den zahlreichen Zuhörern Abhilfe. „Wir werden dem schleichenden Ausbau des Flughafens Essen/Mülheim nach Kräften entgegenwirken und uns dafür einsetzen, dass der Flugbetrieb Schritt für Schritt aufgegeben wird", sagt Britz zur Freude der Anwesenden und stellt das Ziel klar: Umwandlung des Flughafens in ein Gewerbegebiet. „Warum keine Grünfläche?", sind einige der Anwesenden darüber gar nicht mehr erfreut.

Dem Teilerfolg folgt der Sieg nach Punkten. Auf dem Schulhof der Grundschule an der Raadter Straße empfangen Britz die Verfechter für einen Ausbau der Lehranstalt vor Ort. „Die Parteikollegen in Haarzopf favorisieren diesen Standort als Lösung für den Stadtteil. Wir werden dem nicht entgegenstehen, müssen aber noch eine Prüfung verschiedener Sachprobleme abwarten", erläutert Britz. Platz, Finanzierungsfragen und nicht zuletzt die Haltung der Nachbarn im benachbarten Neubaugebiet Rottmannshof müssten unter anderem noch geklärt werden. Am liebsten, so Britz, will er die Entscheidung noch in der letzten Sitzung des aktuellen Stadtrates im September in trockene Tücher wickeln. Da kennt er die Mehrheiten.

Als letzte verbliebene Alternative zur Raadter Straße nennt er das Grundstück, auf dem derzeit noch ausrangierte Übergangswohnheime stehen: Auf'm Bögel. Zahlreiche Haarzopfer im BBH-T-Shirt erwarten den Kandidaten hier. „Halten Sie ihr Versprechen: Lassen Sie die Gebäude abreißen und eine Grünfläche anlegen", fordern sie Britz auf. In sechs Monaten, versichert er, würden die Häuser verschwunden sein. Mit der Zusage der Grünflächen tut er sich schwerer. „Das hängt eben von der Grundschulfrage ab", gibt Britz zu.

Positive Nachrichten hat er danach auch für die Kleingärtner der Anlage Kirschbaumsweg, die den Kandidaten an der Neuen Mitte erwarten. Auch hier war ein Schulneubau im Gespräch. „Für die Grundschule in Haarzopf kommen nur noch die Raadter Straße oder das Grundstück Auf'm Bögel in Frage", wiederholt er das Thema des Tages. „Aber heißt das auch, dass die Kleingärten geschützt sind?", hakt Felix Brockerhoff von der BBH nach. „Sollte ich zum OB gewählt werden, für die nächsten sechs Jahre auf jeden Fall", verspricht Britz.

Christian Kromberg, stellvertretender Ortsverbandsvorsitzender der CDU in Haarzopf, kann weitere Befürchtungen zerstreuen. „Auch für andere mögliche Vorhaben, etwa den Bau einer neuen Kindertagesstätte, gibt es genügend Grundstücke im Stadtteil, bei denen wir kein Grün verdrängen müssen", so Kromberg.

Das hört man vor Ort gern. Und als Franz-Josef Britz auch noch den Start des Ausbaus der Neuen Fulerumer Straße für September ankündigt, sind alle zufrieden.

Als er in seinem offenen Smart davonbraust, hat er seine Mission in Haarzopf erfüllt. Die Frischluft wird ihm gut getan haben: Wahlkampf ist schweißtreibend.

Satzung

Dem interessierten Leser möchten wir hier einen Auszug aus unserer Satzung vorstellen:

§3 Vereinszweck

Der Vereinszweck besteht darin, den Umwelt- und Landschaftsschutz für die Freifläche des Flughafens Essen/Mülheim mit seinen Bauschutzzonen zu erhalten. Ferner ist Vereinszweck, die Luftverkehrsinfrastruktur für das zentrale Ruhrgebiet zu erhalten und zu verbessern.

Zum Vereinszweck gehören insbesondere:

  • die Flughafenfreifläche von einer Bebauung freizuhalten, die den Verlust ihrer Klimafunktion bedeuten würde
  • der Schutz landschaftlicher Freiflächen im Ballungszentrum
  • die Anerkennung der naturnahen, verkehrspolitisch sinnvollen Nutzung des Flughafengeländes als Flughafen zu fördern
  • die wachsende Bodenversiegelung mit der Gefahr von Hochwasserschäden zu verhindern
  • die Erhaltung von natürlichen Versickerungsflächen für den Wasserhaushalt
  • die Erhaltung des Flughafens als die Versicherung gegen eine Bebauung

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordung. Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

 

Unsere vollständige Satzung können Sie hier einsehen!

Sie haben auf unserer Internetseite einiges über die AGFÖ und unsere Arbeit erfahren. Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, würden wir uns freuen, wenn Sie uns unterstützen möchten.

Sie finden hier die Satzung der AGFÖ und unser Beitrittsformular.

Wir freuen uns auf Sie!

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